Dual-Aktivierungstraining "Animals-Vital"
Pferdeverhalten
In der freien Natur mussten Pferde in ihrer Eigenschaft als Flucht- und Beutetiere Überlebensstrategien entwickeln. Obwohl unsere Pferde heutzutage keiner Gefahr durch Raubtierangriffe mehr ausgesetzt sind, blieben doch ihre Urängste hinzufallen und damit leichte Beute zu werden, fest im Gehirn verankert. Bei einer Unsicherheit z.B. durch einen unbekannten Gegenstand wird das für Beutetiere übliche Fluchtschema abgerufen. Dies kann sein: Zittern, Buckeln, Rückwärtslaufen, Einknicken der Hinterhand bis zum Durchgehen.
Sehvermögen der Pferde
Im Gegensatz zu Menschen und Hunden befinden sich die Augen der Pferde seitlich am Kopf. Hierdurch ergibt sich eine Besonderheit des Wahrnehmungsvermögens. Pferde besitzen eine monokulare Sehweise, d.h.: sie sind in der Lage mit jedem Auge ein anderes Bild der Umgebung wahrzunehmen. In der Regel dient das linke Auge zur Wahrnehmung einer Gefahr, während das rechte Auge bereits nach einem möglichen Fluchtweg Ausschau hält.
Das Gehirn des Pferdes
Informationen des linken Auges werden in der rechten Gehirnhälfte verarbeitet, das rechte Auge ist mit der linken Gehirnhälfte vernetzt. Der Erfahrungsspeicher des linken Auges (Sicherheitsauge) ist meistens besser gefüllt als der des rechten Auges (Fluchtauge). Zwischen beiden Hirnhälften findet nur ein träger Austausch statt. (8mal schlechter als bei einem Menschen).
Somit befinden sich die Hirnhälften von Natur aus im Ungleichgewicht. Dies wiederum führt zu Balance- und Koordinationsproblemen, da für die Steuerung aller Bewegungsabläufe beide Gehirnhälften benötigt werden.
Studien der Humanmedizin zum Nutzen des Pferdes
Wie wir Menschen und auch andere Säugetiere besitzen Pferde im Gehirn den sogenannten Mandelkern (Amygdala). Er dient als eine Art Zwischenspeicher, in dem Sinneseindrücke und Gefühle unreflektiert und unverbunden gespeichert werden. Informationen können aus dem Mandelkern schnell und leicht abgerufen werden. Die Reaktionszeit bei Gefahr wird erheblich reduziert. Normalerweise werden die Informationen in die linke Gehirnhälfte weitergeleitet und dort verarbeitet. Wird dieser Ablauf z. B. durch ein schweres traumatisches Ereignis gestört, werden nicht mehr alle gespeicherten |
Informationen zur Verarbeitung weitergeleitet, sondern bleiben im Mandelkern stecken. Dies wiederum kann zu schweren seelischen Störungen führen. Um Menschen mit solchen Traumata helfen zu können wird die EMDR-Technik (Eye Movement Desentization and Reprocessing) angewandt. Die Grundlage bilden verschiedene Übungen, bei denen durch Rechts-links-Reize die rechte und linke Hirnhälfte abwechselnd stimuliert wird um traumatische Blockaden zu lösen. |
Die Dual-Aktivierung
Es ist erwiesen, dass Pferde die Farben blau und gelb am besten wahrnehmen können. Beim Dual-Aktivierungstraining wird das Pferd durch einen Parcours aus Gassen und Pylonen in den Farben blau und gelb longiert oder geritten.
Dabei wird das Pferd durch die ständigen rechts-links Reize der Farben und Übungen angeregt, mehr Informationen von beiden Seiten aufzunehmen und im Gehirn zu verarbeiten.
Durch ein konsequentes Dual-Aktivierungs-Training arbeiten bei Pferden beide Gehirnhälften besser zusammen. Dies führt zu einer deutlich verbesserten Koordination, Konzentration und somit zu mehr Balance. Durch die verbesserte Körperwahrnehmung tritt das Pferd vermehrt mit der Hinterhand unter den Schwerpunkt, kann somit mehr Last aufnehmen und sich besser geraderichten. Gleichzeitig wird durch das Training mit Gassen und Pylonen ein gleichmässiger Muskelaufbau, vor allem der Bauchmuskulatur gefördert. Dies wiederum führt zu einem höheren Leistungsvermögen.
Bringen wir dem Pferd das Maß an Konzentration entgegen, das wir von ihm selbst verlangen und erwarten, wird das Training zum Erfolg führen.
